Gemeinsam stark – der Open Source Gedanke

“Open Source” ist bereits vielen ein Begriff. Aber was steckt genau dahinter? Was sind die Vor- und Nachteile und warum entscheiden sich Personen, Firmen oder Organisationen dazu Quellcodes und Inhalte “für alle” frei zu geben? Neben der Klärung dieser und anderer Fragen soll verdeutlicht werden, warum auch für das Projekt des Decentralized Business Communication Protocol (DBCP) ein Open Source Ansatz gewählt wurde.

 

Open Source

Eine offene Quelle – Warum Open Source?

Klassischerweise wird Software als ein fertiggestelltes Produkt vertrieben. Kunden und Nutzer sind dabei besonders im Bezug auf Updates, Support und Bug-Fixes von der Firma abhängig, welche die Software erstellt und vertrieben hat. In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist Freie und Open-Source-Software zu einem internationalen Phänomen geworden. Es besteht jedoch immer noch oft ein Mangel an Verständnis dafür, was Open Source wirklich ausmacht. Laut der Open Source Initiative (OSI), eine 1998 gegründete Organisation, welche Open Source Software fördert und zertifiziert, ist der Open Source Gedanke recht simpel zu beschreiben:
Wenn Programmierer den Quellcode einer Software lesen, verteilen und modifizieren können, kann die Software schneller und zielführender (weiter)entwickelt werden. Sie wird verbessert, angepasst und Bugs und Fehler werden ausgemerzt. Und das kann mit einer Geschwindigkeit passieren, die, wenn man an die Langsamkeit gewöhnlicher Software-Entwicklung gewöhnt ist, erstaunlich scheint.

Es ist allerdings wichtig zu verstehen, dass Open Source Software nicht mit “Freeware” gleichzusetzen ist. Das heißt, dass Open Source Software nicht zwangsläufig kostenlos ist, auch wenn der Quellcode veröffentlicht wurde und sehr viel Open Source Software kostenlos angeboten wird. Die Definition der Open Source Foundation stellt an Open Source Software drei klare Anforderungen:
  • Der Source Code (Quellcode) der Software muss (in den meisten Fällen) jedem öffentlich zur Verfügung gestellt werden
  • Die Bearbeitung, Veränderung und Anpassung des Quellcodes ist erlaubt
  • Veränderte bzw. Verbesserte Source Codes dürfen ebenfalls weitergegeben und verbreitet werden
Die Bearbeitung und Veränderung von Open Source Software wird dabei allerdings überwacht. Denn auch bei Open Source Software handelt es sich um lizensierte Software. Die Open Source Foundation ist dabei für die Vergabe der über 200 verschiedenen Lizenzarten verantwortlich. Die verschiedenen Lizenzarten regeln vor allem die Modifikations-, Weitergabe- und Veröffentlichungsbedingungen vom ursprünglichen Quellcode, aber besonders von veränderten und weiterentwickelten Versionen des Codes.

Open Source – Ein Freifahrtsschein?

Ein wichtiges Unterscheidungskriterium für Open Source Lizenzen ist das sogenannte “Copyleft”. Dieses bezeichnet vereinfacht ausgedrückt ob, eine Veränderte Version eines Source Codes unter der selben Lizenz wie der zugrundeliegende Quellcode veröffentlicht werden muss. Ein Copyleft soll damit verhindern, dass ein frei zugänglicher und nutzbarer Quellcode nach Veränderungen mit Einschränkungen hinsichtlich der Nutzung weitergegeben werden kann. Im Groben wird zwischen Lizenzen mit einem strengen Copyleft, eingeschränktem Copyleft oder keinem Copyleft unterschieden. Während bei einem strengen Copyleft für Codeveränderungen der selbe Lizenztyp wie der des ursprünglichen Codes gewählt werden muss, ist es bei einem eingeschränkten Copyleft unter Umständen möglich, Teile des Programms bzw. des Codes unter abweichende Lizenzen zu stellen. Bei Lizenzen, welche auf eine Copyleft verzichten, sogenannten Non-Copyleft-Lizenzen, werden keine Einschränkungen hinsichtlich der Lizensierung von Weiterentwicklungen getroffen.

 
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Einer für Alle – Alle für Einen!

Es gibt neben Linux, Eclipse oder dem Internetbrowser Firefox zahlreiche Beispiele für erfolgreiche Open Source Projekte. Die Vorteile solcher Projekte liegen dabei auf der Hand: Eine Open Source Community kann über viel mehr Man-Power verfügen, als ein einzelnes Software Unternehmen. Dadurch kann die Entwicklung und Verbesserung deutlich schneller ablaufen und es ist eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit gegeben. Durch die Veröffentlichung des Quellcodes entsteht für die Entwickler eine Art Qualitätsdruck. Außerdem wird durch die Verwendung des Codes durch zahlreiche Personen dieser sehr häufig analysiert und gelesen, was die Codequalität und die Identifikationsrate von Fehlern und Bugs deutlich erhöhen kann. Durch die Offenlegeung des Codes und die potentielle Mitwirkung zahlreicher Entwickler ist ein Open Source Quellcode i.d.R. sehr gut dokumentiert. Dadurch sind die daraus entstehenden Anwendungen und Programme sehr transparent. Entwickler sind zudem nicht an Arbeitgeber und deren Vorgaben gebunden. Gründe für das Engangement in Open Source Projekten ist zumeist die eigene Reputation und der Mangel an Softwarelösungen für ein bestimmtes Problem. Diese Vorteile sollen in Kürze auch dem DBCP-Projekt zugute kommen.

Weitere Informationen und Quellen:

Wong, K.; Sayo, P. – Free/Open Source Software A General Introduction, UNDP-APDIP, 2004
Open Source Lizenztypen (wbs-law.de)
Open Source Initiative (OSI)

Über den Autor: Mark Straßburg

Mark Straßburg ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur E-Commerce / E-Business der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Darüber hinaus betreut er die DBCP Community-Website als Community-Administrator und -Manager.

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