Businessnetzwerke – neue Wettbewerbsvorteile durch IT-Unterstützung

Netzwerken und Vernetzung sind die Stichworte wenn es darum geht digitale Technologien zu nutzen, um Informationen und Daten auszutauschen, oder Beziehungen zu knüpfen bzw. zu pflegen. Geschäftsnetzwerke wie beispielsweise Xing oder LikedIn erfreuen sich großer Beliebtheit und deren Vorteile liegen auf der Hand – der Tellerrand kann überwunden werden und neue Möglichkeiten für Kommunikation und Akquise entstehen. Neben Kontaktnetzwerken sind es aber vor allem Unternehmen, welche die modernen Vernetzungsmöglichkeiten nutzen um sich mit Geschäftspartnern, wie bspw. Lieferanten zu verbinden und so Geschäfts(Business-)netzerke ins Leben rufen. Natürlich ist die überbetriebliche Zusammenarbeit von Unternehmen nichts neues. Allerdings sorgt die Digitalisierung dafür, dass diese Zusammenarbeit nicht auf klassische Medien wie dem Telefon, der E-Mail oder dem persöhnlichen Kontakt beschränkt ist. Durch die Verknüpfung von IT- und Beschaffungssystemen können so beispielsweise Bearbeitungszeit, personeller Aufwand und Fehlerquote stark reduziert werden.

Businessnetzwerk = Businessnetzwerk?

Mit Geschäftsnetzwerken können ganz unterschiedliche Ziele verfolgt werden. Durch die Verbindung von Lieferant und Abnehmer, oder Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind die Möglichkeiten längst nicht erschöpft. Bei der Vernetzung von ERP- und Beschaffungssystemen steht beispielsweise die operative Ausführung der Geschäftstätigkeit im Vordergrund. Diese läuft fast unmerklich im Hintergrund. Integrierte Anwendungen für deren Administration machen es möglich, sich eher auf das Geschäft als auf die Verwaltung zu konzentrieren. Außerdem können beispielsweise Informationen über den Verkauf eines Endprodukts sofort für alle Unternehmen in der Supply-Chain verfügbar sein. Das Wissensmanagement liefert jeder Aufgabe innerhalb eines Prozesses das notwendige Wissen über Kunden, Wettbewerber, Produkte und vor allem über den Prozess selbst. Bei Intelligenten Geräten geht es besonders um die Informationsverarbeitung. So werden Verkehrsinformationen über GPS an den Fahrer, die Verkaufsinformation von der Registrierkasse an den Produkthersteller und Maschinenstörungen über Sensoren an den Servicetechniker geliefert. Auch Plattformanbieter wie beispielsweise “WerLiefertWas” ermöglichen die Vernetzung von Unternehmen und schaffen so Businessnetzwerke.


Alles Gold was glänzt?

Natürlich gibt es auch geringe Hemnisse, welche die digitale Vernetzung und Geschäftsabwicklung von Unternehmen mit sich bringen. Da eine geschäftliche Tätigkeit immer mit einem gewissen wirtschaftlichem Risiko verbunden ist, spielt das Vertrauen zwischen den Partnern, besonders aber zwischen den direkten Beteiligten und Verantwortlichen eine große Rolle. Dieses Vertrauen bezüglich Vertragserfüllung und Datensicherheit muss entweder dem Geschäftspartner oder Dritten, beispielsweise einem Plattformanbieter entgegen gebracht werden. Zwischenmenschliche Beziehungen, Sympathien und der klassische “Handschlag” haben großen Einfluss auf dieses Gefühl. Besonders bei Partnern, die sich schon länger (persönlich) kennen entsteht so der Eindruck von Sicherheit. Außerdem können durch den menschlichen Kontakt beispielsweise Preisverhandlungen erleichtert werden. Eine wirkliche, belastbare Sicherheit entsteht so allerdings nicht. Vielmehr ist es ein irrationales Empfinden, welches dem Einsatz von IT-Systemen im Wege stehen kann.

Die Zukunft – ist jetzt!

Digitalen Systemen und Beschaffungsnetzwerken ist diese Irrationalität fremd. Für sie zählen harte Fakten und Berechnungen. Vertragsbedingungen, Liefertermine und Kosten werden sofort “Schwarz auf Weiß” festgehalten, was eine spätere Anfechtung erschwert und die Sicherheit erhöht.
Dies hat zur Folge, dass das Vertrauen dem System entgegengebracht wird und so auf rationalen Entscheidungen und nicht auf Gefühlen und Sympathien beruht. Trotzdem steht eine digitale Vernetzung nicht dem persönlichen Kontakt oder der Bildung von Sympathie im Wege, sondern ermöglicht neue Möglichkeiten der Interaktion. Ein weiterer großer Vorteil ist der hohe Automatisierungsgrad, welcher durch digitale Vernetzung erreicht werden kann. In der Zeit des Internet of Things können Daten von den eigenen Maschinen, oder Geschäftspartnern vollautomatisch übermittelt und verarbeitet werden, was Zeitaufwand und Kosten reduziert.

Stillstand – eine Option für ewig Gestrige

Auch Businessnetzwerke unterliegen dem Wandel der Zeit. Während früher hauptsächlich wichtige Informationen per Fax, E-Mail oder Telefon übermittelt wurden, können Informationen und Daten heute vollautomatisch bereitgestellt werden. Die damit entstehende Abhängigkeit von technischen Systemen oder Plattformanbietern kann heute unter neuen Gesichtspunkten betrachtet werden. Besonders Aspekte der Datenhoheit und -Integrität, aber auch der juristischen Sicherheit können durch den Einsatz von neuen Entwicklungen wie der Blockchain-Technologie gestärkt werden. Da die Blockchain modernste Verschlüsselungsverfahren mit einer dezentralen Datenhaltung vereint, können in Zukunft die Vorteile digitaler, unternehmensübegreifender Kooperation mit nie dagewesener Sicherheit nutzbar gemacht werden. Durch den dezentralen Ansatz entfällt außerdem die Notwendigkeit von Intermediären, sodass neben den kooperierenden Partnern keine weitere Instanz am Geschäftsprozess beteiligt werden muss. Es ist davon auszugehen, dass diese Technologie großen Einfluss auf Businessnetzwerke ausüben wird. Erst kürzlich haben wir über die Grundlagen und Potentiale der Blockchain-Technologie im Bezug auf die Zusammenarbeit von Unternehmen in einem Artikel berichtet.

Über den Autor: Mark Straßburg

Mark Straßburg ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur E-Commerce / E-Business der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Darüber hinaus betreut er die DBCP Community-Website als Community-Administrator und -Manager.

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